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Wall - Schanze - Burg ?


Drei Befestigungen - zwei Furten - ein Ort...


Zwischen Klein-Barnitz und Lokfeld zieht sich an der östlichen Traveseite ein Höhenzug längs, welcher mehr verbirgt als die verwunschene Landschaft freigibt. Hier klirrte Schwert auf Eisen und Sachsenhand in Slawenland.
Die örtlichen Gegebenheiten und Geschichten in ein verständliches Gesamtbild einzubringen, soll Ziel dieser Seite sein.

Es gab eine Schanze und eine (Turmhügel-) Burg, sowie wahrscheinlich eine Wallanlage. Von Schanzenberg über Borg Wisch bis Hortenbarg/Hartenburg sind die Flurnamen derart verstreut, daß im Augenblick nicht klar ist, welche Befestigung ursprünglich welchen Namen trug. Möglicherweise verschmolzen sie in der Überlieferung zu einer Bezeichnung, weil niemand mehr wußte, daß ursprünglich zwei (drei?) Anlagen existierten. Ohne Anspruch auf Korrektheit nennen wir die Burg des 13. Jhs. (wenn es denn eine mittelalterliche Motte und kein slavischer Ringwall sein sollte) Hartenburg, die "Polackenschanze" des 17. Jhs. Schanze und den Wallrest Wall.

Im Frühmittelalter, möglicherweise zurückreichend bis in die Zeit der slawischen Besiedlung führte ein mit Karren zu benutzender (Natur) Weg " von Lübeck über die Trave bei Barnice weiter nach Politze. Diesen Übergang nenne ich hier "Nordfurt". Im Zuge der "deutschen Ostsiedlung" des 12./13. Jhs. wird - neben vielen anderen Turmhügelburgen des niederen Adels - auch hier ein Burg zur Kontrolle der Furt und des Weges angelegt. Da jetzt auch Fuhrwerke benutzt werden, läuft die Wegeführung serpentinenartig von der "Südfurt" den Hang hinauf. Beide Furten werden eine zeitlang parallel benutzt worden sein, bis spätestens in der Mitte des 14. Jahrhunderts die Burg zerstört und/oder der Travestand deutlich gestiegen ist und der Fuhrweg nun über Groß-Barnitz führt. Die kleinere Furt existiert weiter und kann, da günstiger gelegen, auch Viehüberquerung gewährleisten.
Eine weitere mögliche Interpretation auf Basis eines slawischen Ringwalls ist denkbar. Er wäre dann allerdings recht klein und für die Anlage einer späteren Befestigung (Turmhügel) benutzt worden.
Im 17. Jahrhundert muß die Furt zumindest so bedeutend gewesen sein - vielleicht ist der Travestand wieder gesunken - daß der Übergang militärisch gesperrt werden muß. Auf die Bedeutung weisen auch die sieben in Klein-Barnitz vorhandenen Krugwirtschaften hin.

 


Größere Kartenansicht

Auf den Karten des 18. Jahrhunderts ist der Furtkomplex nicht mehr erkennbar, möglicherweise hat sich der Fuhr- und Viehverkehr komplett über Westerau und Groß-Barnitz laufend verschoben.

Vereinfacht gehe ich von drei Phasen in der Wegeentwicklung aus:

- relieforientierte Wegetrassen des frühen Mittelalters, Naturwege

- Wegenetzverschiebung während der Aufsiedlung etwa im 13. Jahrhundert

- Neuzeitliche Wegeführungen gemäß Zoll- und Geleitvorgaben


Der aktuelle "Forschungs"-Stand im Detail ist per Mausklick über die Karten, das Panoramabild oben oder hier über die Liste zu erreichen.

 

Zu den Details



... und wird auch bereits 1301 ebenso wie heute verlaufen sein, als dem von seinem Lübecker Raubzuge zurückkehrenden Grafen Otto von Lüneburg in Stubbendorf die Kunde von der Zerstörung der "Crowlesbrugge" - der Fährbrücke bei Benstaven - wurde. [12]
 
... Der lauenburgische Herzog Albrecht III. erlitt hier 1303 von den Holsteinern eine Niederlage. Auf dem Grundstück Hartenburg lag ehedem eine Schanze, welche aus dem sogen. Polackenkriege 1657/60 stammen soll; schwache Spuren sind noch sichtbar, der Platz wird die Hartenburg genannt... [1]


...Vormals war bei der Lockfelder=Heckkathe, dem Dorfe Klein=Barnitz gegenüber, am Ufer der Trave eine alte Schanze, deren Brustwehr am Ende des vorigen Jahrh. noch sichtbar war, jetzt aber eingeebnet ist. Der Platz wird die Hartenburg genannt. [3]
 

Es ist kein Zufall, daß an den Traveübergängen Gastwirtschaften sind. Diese Familien holten auf Zuruf Passanten vom anderen Ufer oder brachten sie zurück. Nachdem Benstaben, Wesenberg und Lokfeld einen Antrag zum Bau einer Brücke gestellt hatten, bekam Lokfeld, weil es in der Mitte war, 1851 von der dänischen Regierung die Genehmigung, auf eigene Kosten eine Brücke zu bauen. Noch lange mußte Brückengeld gezahlt werden... [13]
 
Neben der Holzwirtschaft wurde in Westerau - als lübschem Dorf - Schweinemast für die Versorgung Lübeck betrieben. 1646 ging es beim Eintrieb um 323 Schweine; 1681 liest sich in einem Protokoll: "Imgleichen weil man vernommen, daß bey Eintreibung der Schweine viel Fluchens und Zankens vorgehe.." [16]
 
 
Die Eichel- und Bucheckernmast begann im späten September und dauerte 8 bis 14 Wochen. Diese Mast war für den Waldbesitzer früher so bedeutend, dass oft der Wert des Waldes nicht nach Holzvorräten, sondern nach einzutreibenden Schweinen bemessen wurde. Der Holzvogt hatte die Aufsicht über die Mast und ermittelte die Zahl der zu mästenden Schweine aus der sich das Mastgeld ergab.
Durch zunehmende Waldrodungen wurde diese Art der Schweinehaltung immer mehr zurückgedrängt und fand wohl spätestens mit der Verkoppelung 1751 ihr Ende. Katastrophale Auswirkungen hatte zudem der 30-jährige Krieg, in dem Schweine die bevorzugte Beute der plündernden Soldaten darstellten, so dass allgemein ihre Anzahl stark sank. [17]



Die Bewegung der Wege

Durch einen überregionalen Weg verbundenen slawischen Siedlungsinseln des wahrscheinlich 10. Jahrhunderts (Police, Bernice) sind im Zuge der Ausdehnung des Einflußbereichs Lübecks spätestens im 12. Jahrhundert überformt. Der Weg durch das Waldgebiet (Treuholz, Frauenholz, Tralauer Holz) bleibt in Benutzung, bis sich im Zuge der Neubesiedlung (Westerau, Wulmenau, Tralau) und der Anlage neuer Kirchspiele eine Verschiebung nach Osten ergibt.
Nach der Pest und dem Bevölkerungsrückgang des 14. Jahrhunderts erfolgt erneut eine Wegeverlagerung aufgrund der lokal verschobenen Wiederbesiedlung (Schönenborn - Schürensöhlen, Wulmenau - Westerau). Diese könnte u.a. mit verlegten Landesgrenzen und der gewünschten Kontrolle des Warenverkehrs bei Vermeidung der Grenzlage zu tun haben.
Inwieweit ein gestiegener Travestand ab dem beginnenden 14. Jahrhundert mit der Furtverlagerung zu tun hat, ist vorerst noch nicht zu beantworten.
1672 verlangte die Moislinger Fähre erhöhtes Fährgeld für die Frachtfuhren der Westerauer, und die Gebrüder Brömsen auf Gut Niendorf hielten einfach die Wagen an und pfändeten die Pferde[14]. Schon 1597 heißt es vom Westerauer Klaus Löding " er sei in Schulden vertäuft, auch aus seiner Spannung und Nahrung gekommen." [15]
Der Weg über Barkhorst, Westerau, Niendorf und Moisling nach Lübeck muß vorher in den Status eines Fuhrweges gelangt sein. 
Der Schweinetrieb aus den Lübschen Stadtstiftsdörfern zur Versorgung Lübecks beleuchtet den zweiten Aspekt, unter dem die Wege zur Hansestadt zu untersuchen sind.
 

Alles an diesem Modell bleibt Spekulation. Allerdings entbehrt es nicht einer gewissen Schlüssigkeit, welche schemenhaft ein slawischen Siedlungsgebiet vor dem 12. Jahrhundert zeigt. Demnach wäre eine sich aus dem Raum Lübeck entlang der Trave vorschiebene slawische Besiedlung (Travnjane) in einem Gau mit Zentralort Zarpen, zwei "Grenzübergängen" im Süden und Osten und einem Grenzbach (der Fürstin) im Westen vorstellbar. Die slawischen Dörfer des 13. Jahrhunderts nördlich der Trave können in Ansätzen schon existiert haben -  die Wegeführungen deuten dies an. Das heutige Klein Barnitz wird im 11./12. Jahrhundert aufgrund der Lage am Weg zum "Dorf"... Branica, Ort mit einem "Wall", die "alt-"slawischen Funde deuten ein ein wesentlich höheres Alter an.
 




Zu den Teil-Karten der archäologischen Fundstellen der näheren Umgebung! (An der Gesamtkarte wird noch gearbeitet) Siedlungsgeschichte im Barnitztal vom 12. - 16. Jahrhundert. [1.240 KB] Einer der wenigen fundierten Artikel zur Regionalgeschichte, der diesen Raum mit berührt. Die Erlaubnis des Autors Günter Bock zur Veröffentlichung liegt vor.



Benutzte Literatur

[1] Oldekop: Topographie: S. 61.
[3] Schröder/Biernatzki: Topographie: S. 91.
[4] Hingst: Stormarn: S. 300.
[5] Beranek: Travefurt.
[6] Hingst: Storman: S. 179.
[11] Schmid-Hecklau: Funde: S. 310f.
[13] Rienhoff: Westerau: S. 164.
[14] Rienhoff: Westerau: S. 90.
[15] Rienhoff: Westerau: S. 66.
[16] Rienhoff: Westerau: S. 90.
[18] Rathjen: Soldaten: S. 53.
[19,20] Rathjen: Soldaten: S. 48.
[21, 22, 23] Denecke: Verkehrswege: S. 456f. 
[24] Rathjen: Soldaten: S. 51.
[25] Rathjen: Soldaten: S. 212ff.
[26] Schröder/Biernatzki: Topographie: S. 464.
[31] Jessen: Trittau, S. 71f.
[32] Jessen: Trittau, S. 74f.
[33] Jessen: Trittau, S. 77f.
[35] Schröder/Biernatzki: Topographie, S. 354. 
[36] Günther: Stormarn-Lexikon, S.228. 
[37] Günther: Stormarn-Lexikon, S.135. 
[38] Günther: Stormarn-Lexikon, S.94f. 
[39] Günther: Stormarn-Lexikon, S.59.